"Eigene Stärken highlighten!"DANAS-Bundestrainer Xavier Reckinger zur WM-Vorbereitung und vor dem FOUR NATIONS CUP in Grünwald

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"Eigene Stärken highlighten!"

DANAS-Bundestrainer Xavier Reckinger zur WM-Vorbereitung und vor dem FOUR NATIONS CUP in Grünwald

21.06.2018 - Für die deutsche Damen-Nationalmannschaft beginnt jetzt die letzte Phase der Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft vom 21. Juli bis 5. August in London. Zehn Vorbereitungsspiele sind es noch bis zum Auftaktmatch gegen Südafrika. Am 25. Juni wird Bundestrainer Xavier Reckinger sein WM-Team nominieren und mit diesem Kader auch die große Generalprobe, den FOUR NATIONS CUP vom 11. bis 14. Juli in Grünwald bei München bestreiten. Im Interview erzählt der Belgier, wie er mit der Mannschaft arbeitet, welche Entwicklung es gab, seitdem er das Team im Herbst letzten Jahres vom nach China gewechselten Jamilon Mülders übernahm, und was die Themen sind, die bis zur WM noch bearbeitet werden sollen.

Sie haben die DANAS im Herbst erst von Jamilon Mülders übernommen, als dieser nach China ging. Wieviel eigene Handschrift steckt schon drin, wenn sie mit dem Team zur WM fahren?
Reckinger: „Insgesamt sicherlich noch nicht so viel, denn wir haben bislang erst zwei Lehrgänge und das World-League-Finalturnier im November miteinander Zeit gehabt. Ich denke, dass wir insgesamt ein bisschen offensiver geworden sind, aggressiver im Angriff, im Spiel im gegnerischen Kreis – ohne dabei die bisherigen Stärken, wie die defensive Disziplin, einzubüßen. Die Mannschaft hat vorher schon ausgezeichnet, dass sie gut fokussieren kann, starke Basics hat, im Aufbau auch gegen Druck sehr stabil ist. Darauf hat Jami aufgebaut, und ich würde das nicht anders machen. Deshalb habe ich lediglich einen weiteren Fokus gesetzt auf das Spiel im generischen Viertel, das Stürmerverhalten, weil das auch ganz wichtig ist.“

Aber mit dem Staff haben Sie ja ganz neu starten müssen. Da gibt es ja einige neue Gesichter...
Reckinger: „Stimmt. Ich habe Florian Keller als Co-Trainer geholt, weil der selbst als Olympiasieger ein Weltklassestürmer war und die Mädels in dem Bereich viel von ihm profitieren können. Von Akim Bouchouchi, der ja U21-Bundestrainer ist, profitiere ich selbst ganz viel, weil er die Strukturen im DHB bestens kennt. Außerdem hat er eine große Expertise in der Arbeit mit der Defensive. Mit Donna Keaney haben wir eine neuseeländische Teammanagerin, die uns beim World-League-Finale in Auckland so gut ausgeholfen hat, dass ich gefragt habe, ob sie bis zur WM weitermachen würde. Sie ist Unternehmerin mit einem großen landwirtschaftlichen Betrieb in Neuseeland und öffnet mir mit ihrer wirtschaftlich geprägten Sichtweise oft den Blick, hilft mir, Dinge anders zu betrachten als durch die Trainerbrille. Was ganz wichtig ist, ist die Arbeit mit unserer Yoga-Trainerin Barbara Plaza, mit der auch Jami schon gearbeitet hat, aber was wir stark ausgebaut haben, weil ich denke, dass Yoga im Bereich der Verletzungsprophylaxe noch stark unterschätzt wird. Dazu haben wir mit Dominik Ludwig und Stephan Haumann jeweils einen sehr guten neuen Athletiktrainer und Video-Analysten bekommen. Aber es gibt mit unserem Teamarzt Boris Mandryka oder unserer Physio Evi Striegel auch Staffmitglieder, die vorher schon mit dem Team gearbeitet haben, nur um mal zwei Beispiele zu nennen.“

Die DANAS sind zurzeit von der Altersstruktur her recht heterogen, mit vielen jungen Talenten und nur wenigen routinierten Kräften. Passt das aus Ihrer Sicht gut?
Reckinger: „Ja, denn ich glaube, Du brauchst beides für eine gute Mannschaft. Jede Spielerin, die wir nominieren, überzeugt uns durch den Mehrwert, den sie persönlich der Mannschaft bringt. Die Jungen sind sehr ambitioniert, bringen ganz viel Frische in diese Mannschaft. Und manchmal ist es ein Vorteil, wenn Spielerinnen über die Stars bei den Gegnern noch nicht so viel wissen, sondern unvoreingenommen in ihre Aufgaben gehen. Das bringt neue Energie ins Team. Und auf der anderen Seite brauchst du die Erfahreneren, die auch mal auf und neben dem Platz die Atmosphäre beruhigen können. Die Mischung macht’s da einfach. Wir nutzen die WM nicht bewusst als Plattform für Talente, die Richtung Olympia 2020 in Tokio Erfahrungen sammeln können, denn wir wollen bei diesem Turnier so weit kommen wie irgend möglich. Aber bei den letzten zwei, drei Spielerinnen, die wir für die WM nominieren werden, spielt das bei der Entscheidung vielleicht doch eine Rolle.“

Nach Rio haben sich mit Yvonne Frank und Kristina Reynolds zwei Weltklasse-Torhüterinnen verabschiedet. Zurzeit scheinen gleich mehrere Keeperinnen auf einem richtig guten Weg zu sein. Sind die schon so weit für eine WM?
Reckinger: „Das ist tatsächlich eine Luxusposition. Wir haben viele gute Keeperinnen – nicht nur die drei, mit denen ich im Moment im erweiterten WM-Kader arbeite. Die Mädels machen das toll, weil sie miteinander arbeiten, sich gegenseitig helfen, immer besser zu werden. Da sind alle eng beieinander, was die Nominierungsentscheidung für uns richtig schwer macht. Und auch das Team hat großes Vertrauen – egal, wer da hinten drinsteht. Man muss allerdings sagen, dass nach Rio Julia Ciupka bei der EM und der World League bereits Weltklasse-Leistungen abgeliefert hat. Insofern haben wir die beiden Top-Keeperinnen, die nach Rio aufgehört haben, gar nicht zu vermissen brauchen.“

Sie haben das Torschussverhalten als ein ganz wichtiges Thema angesprochen...
Reckinger: „Richtig. Das ist eines der Top-Themen im Damenhockey. Und da sind meiner Meinung nach 80 Prozent Psychologie und nur 20 Prozent eine Frage der Technik. Im Moment haben aus meiner Sicht nur die Niederlande und Argentinien dort ein sehr gutes Stürmerverhalten. England ist Olympiasieger geworden, weil sie defensiv extrem stark waren. Wir haben bei den DANAS absolut genug technische Qualität. Woran wir arbeiten müssen, ist das Verhalten im Kreis und das Bewusstsein, mit den eigenen Fähigkeiten effektiv umzugehen. Hier müssen und wollen wir einen Schritt machen bis zur WM. Ich habe da ganz viel Vertrauen in die Mädels und Flo Keller, der das Thema bei uns betreut. Alle wissen, dass da ein Fokus liegt. Jetzt haben wir noch zehn Testspiele bis zur Weltmeisterschaft. Da ist es möglich, sich weiterzuentwickeln. Was ich sehen will, ist, dass die Mädels das nicht nur im Training umsetzen können, sondern auch in den Spielen anwenden. Wir reden dabei aber immer über die individuellen Stärken und nicht so viel über das, was nicht so gut läuft. Du wirst nämlich dann besser, wenn du die Dinge highlightest, die Deine Stärken sind. Wenn du dich nur mit dem beschäftigst, was du nicht so gut kannst, führt das schnell zu Frustration.“

Wie sieht es mit der Strafecke aus, die ja im internationalen Hockey ein Entscheidungsbringer sein kann. Bei den DANAS gibt es ja keine Spezialistin, wie bei anderen Top-Nationen...
Reckinger: „Auf die Ecke legen wir einen großen Fokus. Das ist ein Thema, dem ich mich selber widme. Unsere Statistik ist dabei auch bislang gar nicht so schlecht. Ja, wir haben nicht die EINE Schützin, aber vier, fünf, die gute Ecken und Varianten schießen können, was uns sehr variabel macht. Das ist auch eine Luxussituation, und ich denke, dass wir bis zur WM eine gewisse Hierarchie unter unseren Schützinnen haben werden. Wir werden da einige Sachen nicht vor der WM zeigen, sondern sie in London als Überraschung auspacken.“

Sie haben viele Ligaspiele gesehen und zuletzt auch bei den FINAL FOUR in Krefeld das Niveau beobachtet. Wie wichtig ist die Liga für das Nationalteam? Und wie sehen Sie die Qualität?
Reckinger: „Wir haben durch die vielen Bundesligatermine in Halle und Feld die kürzeste Vorbereitung aller Nationen auf die WM. Viele kleinere Länder trainieren mit ihren Teams schon seit über einem halben Jahr zentral. Das geht bei uns nicht, und deshalb ist die Liga sehr wichtig. Ich fand das Niveau in der Liga schon gut, das in den KO-Spielen bei der Endrunde noch besser. Mein Bauchgefühl sagt, dass die Intensität in den Ligaspielen nicht so hoch ist wie im internationalen Hockey. In den FINAL FOUR war es zumindest nahe dran. Wir haben ein neues GPS-Trackingsystem, mit dem wir das genauer beobachten werden. Das Vereinshockey ist die Grundlage des Sports in Deutschland, das uns unsere Talente fürs Nationalteam ausbildet. Was wir abwägen müssen, sind die Vorteile, die die Liga von der Nationalmannschaft erhält und umgekehrt. Sobald unsere Talente das Niveau haben, um das Ticket für die DANAS zu erhalten, müssen sie ihre Entwicklung auf einem höheren Niveau innerhalb der DANAS fortsetzen, und im Moment bekommen wir die besten Spielerinnen des Landes nicht oft genug zusammen, um dies zu garantieren. Auch wenn ich sagen muss, dass ich mit dem Austausch und der Offenheit der Clubtrainer sehr zufrieden bin, glaube ich, dass für jede Spielerin eine Zeit kommt, in der sie in der internationalen Szene sich rasanter und besser entwickeln kann, aber das ist sogar in Holland der Fall, in der aktuell besten Liga der Welt. In Bezug auf die Bundesliga hoffe ich, dass die Teams hinter den sehr dominanten ersten Vier sich so entwickeln, dass sie mehr Druck ausüben können auf die Top-Teams, wodurch sich die gesamte Liga verbessern würde.“

Unter Jamilon Mülders wurde dem Team sehr viel Mitspracherecht und Mitarbeitsmöglichkeit bei den Themen eingeräumt, die zur Entwicklung des Teams wichtig sind. Haben Sie dieselbe Philosophie?
Reckinger: „Das ist im modernen Leistungssport gar nicht anders denkbar. Die Spielerinnen müssen und wollen unbedingt Verantwortung übernehmen, auf und neben dem Platz. In der Gruppenarbeit miteinander machen sie sich auch gegenseitig besser. Wir, der Staff, müssen am Platz dann die Rahmenbedingungen bieten, um das Erarbeitete auch umsetzen zu können, und damit die Mädels ihr volles Leistungspotenzial entfalten können. Natürlich habe ich viele eigene Ideen und Taktiken, aber die Mädels beziehe ich da immer mit ein. Das funktioniert auch nur so. Die Spielerinnen könnten gar nicht das gleiche Engagement für das gemeinsame Ziel zeigen, wenn man sie nicht mit in die Verantwortung nähme.“

Wie sehen Sie als Coach das Thema Ablenkung durch Social Media?
Reckinger: „Das ist für mich ein Thema, das ich mit den Mädels noch besprechen werde. Für mich gibt es klare Phasen, wie zum Beispiel Halbzeitpausen, in denen die sozialen Medien nichts zu suchen haben. Es gibt Zeiträume für so etwas und Zeiträume, in denen das nicht geht. Aber sollte das Team zum Beispiel aus irgendwelchen Gründen es wünschen, dass es bis zum Ende der WM darauf verzichten wollte, wäre das für mich auch okay!“

Der FOUR NATIONS CUP findet in Grünwald bei München statt. Woran liegt es, dass zurzeit keine Münchner Spielerin im erweiterten Kader ist?
Reckinger: „Ich hatte bislang ja nur acht Monate Zeit für Beobachtungen und habe dabei auch Partien des Münchner SC gesehen. Dabei hat sich keine Spielerin so empfohlen, dass man sagen würde, sie wäre wertvoller für das Team als eine der anderen im WM-Kader. Aber insgesamt haben mich in der gesamten Liga einige junge Spielerinnen, die bis dato nicht zum A-Kader gehören, sehr beeindruckt. Es ist gut zu wissen, dass wir doch einige starke Talente haben, die in Zukunft bei den DANAS eine Rolle spielen können. Nach der WM werde ich Richtung Tokio die Mannschaft wieder breiter aufstellen, dann werden einige Talente die Chance haben, sich zu beweisen.“


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