Selin Oruz im InterviewDie gebürtige Krefelderin spricht über die Ziele der deutschen Damen in der FIH Pro League

Schwacher Start kostet das SpielFIH Pro League in Krefeld: Deutschland - Australien 1:3 (0:3) / Trotzdem in den Grand Finals

HONAMAS: Historische NiederlageFIH Pro League, Herren, Heimspiel in Krefeld: Deutschland–Belgien 0:8 (0:3)

DANAS kurz vor Final FourFIH Pro League, Damen, Heimspiel in Krefeld: Deutschland–Belgien 2:1 (0:1)

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Selin Oruz im Interview

Die gebürtige Krefelderin spricht über die Ziele der deutschen Damen in der FIH Pro League

04.06.2019 - Die Premierensaison in der neuen FIH Pro League geht nun in die heiße Phase. Zwischen dem 9. und 16. Juni bestreiten die deutschen Hockey-Nationalteams der Damen und Herren noch einmal insgesamt sieben Heimspiele in Krefeld. Beide Teams möchten die neue Weltliga unter den besten Vieren beenden, denn damit ist nicht nur die Endrunden-Teilnahme in Amsterdam gesichert, sondern zugleich ein Startplatz für die Olympia-Qualifikationsspiele im Herbst garantiert. 

Im folgenden Interview spricht die gebürtige Krefelderin Selin Oruz über die Ziele der deutschen Damen, ihre persönlichen Ambitionen im Nationalteam und das Besondere am Austragungsort Krefeld.

Frau Oruz, die FIH Pro League geht nun auf die Zielgerade und das Restprogramm hat es in sich. Zwischen dem 2. und 22. Juni stehen den Danas insgesamt noch sieben Spiele bevor. Wie sehen Sie dem entgegen?
Ich freue mich auf die kommenden Spiele! Unser Ziel ist es, unter die ersten Vier zu kommen, um das Grand Final Ende Juni zu spielen. Die Bundesliga-Saison ist nun abgeschlossen und somit können wir uns alle hundert Prozent auf die FIH Pro League konzentrieren.

Zunächst müssen Sie am 4. und 7. Juni noch auswärts in den Niederlanden und Großbritannien antreten. Was erwarten Sie von diesen Spielen?
Gegen die Niederlande haben wir aus Mönchengladbach noch eine Rechnung offen. Jedoch bin ich gespannt, mit welchem Kader die Holländerinnen gegen uns antreten werden. GB wird vor eigener Kulisse auch nicht zu unterschätzen sein.

Am 9., 12. und 16. Juni dürfen die Danas dann endlich wieder zuhause spielen. Die Partien gegen Neuseeland, Belgien und Australien werden ausgerechnet in Ihrer Heimatstadt Krefeld ausgetragen. Ist die Vorfreude darauf bei Ihnen besonders groß?
Ja, natürlich freut es mich sehr, in meinem Heimatclub auflaufen zu dürfen. Der CHTC leistet, wie auch schon beim Final Four, eine hervorragende Arbeit und ich fühle mich persönlich auch noch sehr mit dem Club verbunden. Daher ist die Vorfreude definitiv vorhanden.

Sie haben beim Crefelder HTC als Vierjährige das Hockeyspielen gelernt. Welche Bindung haben Sie noch zum CHTC?
Menschlich fühlt sich der CHTC wie mein Hockey-Zuhause an. Zum Beispiel steht mit Babsi Wellen meine SuperMini-Trainerin stets am Rand und schaut zu. Neben der Familie Wellen ist die CHTC-Familie unglaublich herzlich und ich fühle immer sehr willkommen.

Derweilen spielen Sie beim Düsseldorfer HC, mit dem Sie in der Halle deutscher Meister wurden. Bei der Feld-Endrunde mussten Sie sich erst im Final-Shootout dem Club an der Alster geschlagen geben. Wie fällt Ihr persönliches, bisheriges Saisonfazit aus?
Wir haben eine überzeugende und souveräne Hinrunde gespielt. In der Rückrunde hatten wir leider mit vielen Verletzungen zu kämpfen, wovon sich noch einige im Final Four abgezeichnet haben. Wir haben uns dann bis ins Finale gekämpft, welches man dann natürlich auch um jeden Preis für sich entscheiden möchte. Somit war diese knappe Niederlage natürlich sehr bitter. Trotzdem können wir sehr stolz auf unsere vergangene Saison sein und Vizemeister auf dem Feld ist für die Damen sogar eine Premiere in der Clubgeschichte, soviel ich weiß.

Ihr erstes Pro-League-Länderspiel in Krefeld haben Sie mit den Danas in der Schlussminute gegen Argentinien verloren. Was nehmen Sie davon mit und ist die unglückliche Niederlage zusätzliche Motivation für die weiteren Heimspiele?
Ja, das war sehr unglücklich. Aus diesem Spiel hätten wir sehr gerne Punkte mitgenommen. Daraus werden wir lernen und motiviert für die anderen Spiele sind wir so oder so. Dafür mussten wir nicht erst so bitter gegen Argentinien verlieren.

Nur die besten vier Teams der Neuner-Liga erreichen die Endrunde in Amsterdam mit der auch ein sicherer Startplatz in der Olympia-Qualifikation im Spätherbst verbunden ist. Welche Priorität hat diese Top-Vier-Platzierung für Sie?
Unser Ziel ist es definitiv unter die ersten Vier zu kommen, welches meiner Meinung auch ein realistisches Ziel ist, wenn man sich unseren Kader und unsere Spielweise ansieht. Trotzdem müssen wir erstmal unsere Leistung bringen bzw. unser Können zeigen und uns für jedes Spiel aufs Neue reinkämpfen. Letztendlich ist aber unser übergeordnetes Ziel eine Top Performance bei der Europameisterschaft im August in Antwerpen.

Genau, im August steht die EM in Antwerpen an, bei dem sich nur der Sieger direkt für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert. Wie wichtig sind die Spiele in der FIH Pro League für eine optimale EM-Vorbereitung?
Wie gesagt, ist unser Ziel eine Top Performance bei der EM, weswegen wir jedes Länderspiel gegen Top Gegner als super Vorbereitung und für unsere Entwicklung als Team nutzen können. Eine bessere Vorbereitung als Länderspiele auf diesem Niveau gibt es kaum.

Sie haben 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit den Danas die Bronzemedaille gewonnen. Da waren Sie gerade einmal 19 Jahre alt. Wie sehen Ihre persönlichen Ziele in der Nationalmannschaft aus?
Nach meinem Examen im März diesen Jahres, weswegen ich die erste FIH Pro League Reise verpasst habe, ist für mich die Nationalmannschaft bis Ende nächsten Jahres klare erste Priorität. Auch wenn ich in Rio noch sehr jung war, habe ich viele wichtige Erfahrungen machen können und dürfen. Wir Danas haben seitdem große Schritte nach vorne gemacht und ich bin dankbar und stolz ein Teil von den Danas zu sein.

Ihr älterer Bruder Timur spielt im Nationalteam der Herren. Tauschen Sie sich regelmäßig über Ihre Länderspiele aus? Wie profitieren Sie voneinander?
Natürlich tauschen wir uns regelmäßig aus und versuchen uns gegenseitig so gut es geht zu unterstützen. Daher würde ich sagen, dass es schon ein Vorteil ist, jemanden mit dem gleichen „Schicksal“ und Alltag in der Familie zu haben. Ich bin sehr stolz auf ihn!

Könnten Sie sich mittelfristig auch ein Engagement bei einem ausländischen Verein vorstellen? Wenn ja, in welchem Land und warum?
Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich mir diesbezüglich wenig bis keine Gedanken gemacht.

Aber zurück zur FIH Pro League. Verraten Sie uns abschließend, warum sich Ihrer Meinung nach niemand die Heimspiele in Krefeld entgehen lassen sollte?
Meiner Meinung nach ist das die größte sportliche Attraktion in Krefeld diesen Sommer, Hockey auf höchstem internationalen Niveau! Damen und Herren spielen hintereinander, daher ist für jeden was dabei.

Vielen Dank für das Gespräch.